Pamac: Verwaiste Pakete entfernen – ist diese Funktion riskant?

Es existiert ja in Pamac „Einstellungen / Fortgeschritten / unnötige Abhängigkeiten entfernen“ – Als ich damals mit Manjaro begann und nach ca. 6 Monaten Benutzung auf die Idee kam, diese Funktion nachträglich zu aktivieren, war das System nach Ausführung dieser Funktion bei einem nächsten Update gecrasht.

Aus Anlass der Diskussion hier: Manjaro übergriffig? - #9 von Clemens habe ich mich nun erneut damit beschäftigt:

Im Terminal ergab der Befehl: pamac list -o eine Liste von ca. 70 Komponenten / Bibliotheken. Der PC ist seit 05. August 2025 in Betrieb und die automatische Entfernung verwaister Pakete ist in Pamac bisher nicht aktiviert.
Dann führte ich testhalber aus: pamac remove -o und erhielt eine Liste mit über 112 Komponenten / Bibliotheken. Größe insgesamt 2,4 GB. Die Differenz von ca. 70 Komponenten zu über 112 macht mich misstrauisch. Aber 2,4 GB unnötiger Kram kann ebenfalls ein Stabilitätsrisiko darstellen. Und die KI meinte, die Funktion sei sicher und würde sogar von Manjaro als Stabilitätsmaßnahme für das System empfohlen.

Fragen also:
Hat jemand positive Erfahrungen mit der nachträglichen Entfernung verwaister Pakete machen können?
Wie zuverlässig ist diese Funktion, sodass ich sicher sein kann, mein System nicht zu gefährden?

PS: Ich hänge die aus dem Terminal kopierte Liste der verwaisten Pakete incl. der mit remove gefundenen hier dran.

2026-06-07_verwaiste-Pakete.txt (14,7 KB)

Ich würde lieber in Pamac bei den „installierten“ Paketen mir die „verwaisten“ Pakete anschauen. Da kann man dann gezielt und Paket für Paket runterwerfen. Zuviel auf einmal entfernen ist auch nicht so meins…
Und vorher noch 'ne Sicherung vom System machen (bei mir mit Timeshift bei EXT4-Filesystem), damit man im Fehlerfall schnell zurück kann.

Wie siliziumfuchs sagt: Backup ist Pflicht. Ich nutze ein eigenes Skript für meine Updates und kontrolliere danach immer auf verwaiste Pakete, die ich dann direkt lösche (was dann oft nur wenige Pakete betrifft). So bleibt das System sauber und übersichtlich. Das läuft in meiner Konfiguration seit Jahren völlig problemlos. zumindest ist das meine Erfahrung.

Nachtrag: „Backups“ durch „Updates“ ausgetauscht

Mir ist glaub ich 1 oder 2 mal passiert das Pamac abgebrochen hatte beim Update. Als ich dann verwaiste Pakete entfernte dann lief das Update sauber durch. Also seit dem mach ich das ab und zu. Der Festplattenspeicher ist ja nicht das Problem.Sondern das halt irgendwie die verwaisten tortzdem irgendwie im system noch hängen und wie gesagt Updates blockieren können oder konflickte auslösen können.

Interessant finde ich, dass anscheinend niemand derjenigen, die geantwortet haben, in Pamac die Funktion „unnötige Abhängigkeiten entfernen“ aktiviert hat. Wenn man diese Funktion schon direkt nach der Installation von Manjaro aktivieren würde, dürfte es eigentlich nie zu einem Systemcrash aufgrund der Entfernung verwaister Pakete kommen. Hat jemand zu der Aktivierung dieser Funktion Erfahrungen?

Ferner: Sicher ist es klug, vor dem rigorosen Löschen verwaister Pakete mittels pamac remove -o ein Backup des ganzen Systems bereit zu haben. Nachdem (nicht nur) ich mit der Wiederherstellung mittels Timeshift Snapshots Probleme hatte, sodass die Neu-Installation letztlich effizienter war, frage ich doch auch mal, welche Backup-Methoden außer TimeShift von Euch angewendet werden.

Ich gebe zu, außer den Snapshots von BTRFS-Timeshift noch keine Backup-Lösung zu haben. Mich interessiert aber sehr, ein echtes Backup (statt eines Snapshots) mittels RescueZilla anzulegen und dann aktuell zu halten. Immerhin kann RescueZilla auch partitionsweise sichern, kann mit BTRFS zuverlässig umgehen und zudem das Backup mit verschiedenen Verfahren komprimieren. Sogar die Wiederherstellung auf einem kleineren Laufwerk ist möglich.
Dabei ist das Erstellen des Backups sicher nur eine Gewohnheitsfrage: Vor dem Frühstück RescueZilla vom Stick booten und sichern lassen. Nach dem Frühstück beenden und System starten.
Aber ein Backup ist nur dann sicher, wenn man die Wiederherstellung ebenfalls getestet hat. Naja und da habe ich immer große Sorge, dass ich dann evtl. doch mein System crashe und ich dann für einige Zeit nicht mehr arbeiten kann.

Ein Systembackup mache ich tatsächlich nur mit Timeshift, allerdings nur wenn ich etwas ausprobieren möchte und mir eine Neuinstallation in dem Moment zu stressig ist.

Ansosnten macht es mir nichts aus das System ab und zu neu zu installieren.

Ich kenne 2 richtige Backup-Programme als Live-System:

Rescuezilla und Apart GTK (auf der Dr. Parted CD)

Um meine wichtigen Einstellungen im Home Verzeichnis zu sichern nutze ich GRsysnc. Ich synchronisiere damit entsprechende Verzeichnisse auf meinem NAS und kann sie bei einer Neuinstallation meines Systems schnell wiederherstellen.

Edit:

Ich habe mit Rescuezilla und Apart GTK schon mehrmals Sicherungen angelegt und wiederhergestellt, allerdings nur auf Windows PC’s in der Firma.

@zompel Danke für deine Info zur Sicherung. Wie ich in meinem anderen Thread hier Erstaunliche Partitionierung bei Neu-Installation auf MBR + BTRFS - #15 von Clemens schrieb, finden sich zahlreiche Diskussionen im Forum Manjaro.org, wenn die Wiederherstellung mittels Timeshift nicht funktioniert hat. So etwas hatte ich hier selbst schon zwei Mal erlebt. Einmal war dann die Boot-Partition defekt und das andere Mal kam ich aus dem Kernel Panic-Mode nicht wieder raus.

Ich plane, mein System mit einem echten Backup mit RescueZilla zu sichern. Damit das Backup nicht zu groß wird, muss ich vorher aber noch /home in eine separate Partition legen.

Und alles, was in /home liegt, wird wahrscheinlich mit Restic in einem echten Backup landen, wobei Restic deduplizierend und inkrementell sichert und in einstellbaren Zeitabständen dazwischen auch wieder ein Voll-Backup erstellt. Mit Restic-Browser können einzelne Dateien aus diesen Backups wieder hergestellt werden. Für das System eignet sich Restic aber nicht.

Beide Lösungen sind BTRFS tauglich (aber kein BTRFS-RAID).

@Siliziumfuchs Ich bin deiner Anregung gefolgt und habe mir mal die verwaisten Pakete in Pamac angeschaut. Da sehe ich mehrere darunter, die echt nicht verwaist sein können, weil sie ganz sicher Bestandteil einiger von mir installierter Programme sind. Wieso die als „verwaist“ gelistet sind, verstehe ich nicht. Jedenfalls hätte es Schwierigkeiten gegeben, wenn ich z.B. mittels Pacman im Terminal alle verwaisten gelöscht hätte.

Vielleicht wäre es doch eine gute Idee, gleich nach der Installation von Manjaro in Pamac die Option „unnötige Abhängigkeiten entfernen“ zu aktivieren, weil dann ja sofort nach Installation oder Löschen eines Programms ein fälschliches Löschen von angeblich verwaisten Paketen auffallen würde?

Weil die Datensicherung ein anderes Thema ist, habe ich es > hier < noch einmal aufgegriffen und um 2 kleine Ideen ergänzt.

aus den offiziellen Quellen installiert oder aus dem AUR? Bei erstem würde mich das auch etwas wundern, beim AUR könnte ich mir vorstellen dass die Build-Dateien irgendwie unsauber aufgebaut sind und dort die Abhängigkeiten fehlerhaft/unvollständig sind.

Wobei… gibt es einige der verwaisten Pakete vielleicht mehrfach im System? Einmal in einer aktuellen Version (die Bestandteil von installierten Programmen ist) und dann ältere Versionen, die jetzt eben verwaist sind und offenbar bei vorherigen Updates nicht entfernt wurden?

OK, schaun wir mal nach angeblich verwaisten Paketen in meinem System:

CMake = Cross platform buildsystem = wird zum Kompilieren von Paketen benutzt, z.B. AUR-Paketen. wenn ich’s deinstalliere, würde es beim nächsten Kompilierungsvorgang wieder installiert.

amf-header = Header files for AMD Advanced Media Framework. = Das könnte passen zu meinem AMD Ryzen 5 7600X, der mit einem Raphael Media System daher kommt. Das benötigt Treiber-Unterstützung. Allerdings wird unter „Abhängigkeiten“ gar nichts aufgeführt. Installiert wurde das am 01. Juni und ich weiß nix davon! Da der PC schon seit August 2025 auch ohne das Teil läuft, scheint es überflüssig zu sein.
Hier hätten wir den Fall, dass Manjaro eigenmächtig etwas Unnötiges installiert hat! Das Paket stammt aus „extra“ und wurde angeblich installiert als "Abhängigkeit für ein anderes Paket.

calf = LV2 plug-in suite = hatte ich installiert, um über ein Midi-Keyboard etwas Musik machen zu können mit synthetischen Instrumenten.

dotnet-sdk = The .NET Core SDK = ich weiß nicht, wann und wofür das installiert wurde. Das .NET-Farmework stammt aus dem Paket „extra“ und ist die Grundlage für bestimmte Programme. Kommentar in „Abhängigkeiten: aspnet-targeting-pack: Build ASP.NET Core applications“ - was immer das heißen mag. Wurde am 1. Juni installiert und ich weiß nix davon. Da der PC schon seit August 2025 auch ohne das Teil läuft, scheint es überflüssig zu sein. Auch hier hätten wir den Fall, dass Manjaro eigenmächtig etwas Unnötiges installiert hat! Das Paket stammt aus „extra“ und wurde angeblich installiert als "Abhängigkeit für ein anderes Paket.

doxygen 1.16.1-3 = Documentation system for C++, C, Java, IDL and PHP = installiert als Abhängigkeit für ein anderes Paket. Unter „Optionale Abhängigkeiten“ findet sich u.a. qt6-base: for doxywizard und qt6-svg: for doxywizard. Das Paket stammt aus „extra“ und wurde am 23. März installiert. Wozu? Keine Ahnung!

Übrigens werden nur zwei AUR Pakete als verwaist gelistet während fast alle anderen aus dem extra-Repo stammen.

Ich schließe daraus Folgendes:

  1. Der ursprüngliche Thread über „eigenmächtig und unnötig von Majaro installierte Pakete“ besteht zu Recht und ich finde die Kritik hier berechtigt bestätigt.
  2. Selbst mit großem Engagement ist es im Nachhinein kaum möglich, die Vielzahl der „verwaisten Pakete“ zu analysieren und eine sichere Entscheidung über deren Entfernung zu treffen. Daher scheint es mir sinnvoll zu sein, direkt nach der Manjaro-Installation in Pamac die Option zu aktivieren, dass verwaiste Pakete entfernt werden. Wenn es dann Ärger gibt, kann man im Pamac LogViewer gleich nachschauen, was da entfernt wurde… falls das System dann noch startet! :frowning:

Ist nicht lustig dieses ganze Thema und betrifft mal wieder die „Hölle der Abhängigkeiten der Bibliotheken“.

@zompel Danke, dass du den Thread Datensicherung eröffnet hast!

Frage:
Hat jemand Erfahrungen damit sammeln können, in Pamac die Option „unnötige Abhängigkeiten entfernen“ von Anfang an zu aktivieren? Und wäre das wirklich empfehlenswert?

bis auf calf ist das alles aus dem Bereich „Softwareentwicklung“. Daher vermute ich dass die genannten Pakete im Laufe beim installieren von irgendwelchen AUR-Pakete auf’s System gekommen sind (und wieder kommen würden falls sie entfernt werden).
Bei den Paketen aus den offiziellen Quellen sind die Programmsourcen ja eigentlich schon kompiliert und die Dokumentation ist auch schon fertig erzeugt. Da braucht es den Kram dann nicht.

@Siliziumfuchs Du meinst also, dass die vielen Pakete aus „extra“ aufgrund von Installationen von AUR-Paketen drauf gekommen sind und nur für deren Installation benötigt wurden?

Ich versuche so wenig wie möglich aus AUR zu benutzen. Da ist mir Flatpak ja noch lieber. Ich habe folgende AUR-Pakete installiert:

anydesk-bin
backrest
balena-etcher
boca (für fre:ac audio cd-ripper)
chm2pdf-python3 (Windows-Help nach PDF konvertieren)
cnijfilter (für meinen Canon Inkjet)
fre:ac (CD-Ripper)
gtk2 (für iscan und xsane)
hibiscus (Homebanking)
iscan (EpsonScanner)
iscan-plugin-perfection-v330
jameica (java runtime für Homebanking)
jitsi-meet-desktop
krokiet (Dublettensuche)
libstdc++5 (für iscan)
linux-firmware-meta
openicc (Colormanagement)
opentabletdriver (GraphicTablet)
psc-cyberjack (Kartenleser für Homebanking)
python-backports-zstd (Kompression)
qt5-singlecoreapplication (wofür?)
rustdesk
samsung-unified-driver
simplescreenrecorder
smooth (für boca)
xsane
xsane-gimp

„Spielkram“ ist da also nicht darunter! – Dass dann aber so viel Hilfsmittel-Software nach der Installation der AUR-Pakete übrig bleibt??? Es waren 2,4 GB als verwaist angezeigt!!!
Das deutet ja doch darauf hin, dass es sehr sinnvoll wäre, gleich nach der Manjaro-Installation in Pamac die Option betr. verwaiste Pakete" zu aktivieren.

Ich habe mir die verwaisten Pakete auf meinem Laptop angeschaut. Es sind weitgehend die gleichen wie auf dem Desktopf und in der Summe ebenfalls rund 2,4 GB Datenmenge. Da die Partitionen auf dem Laptop nur max. 500 GB haben, konnte ich es mit RescueZilla sichern und anschließend habe ich über Pamac / installierte Pakete / nur verwaiste Pakete alle verwaisten gelöscht. Danach Laptop neu gestartet.

Resultat: Jetzt braucht der Laptop erstaunlicher Weise rund 20 Sekunden länger bis zum Systemstart. Irgend etwas hat sich am Boot-Eintrag geändert, weil das Bootlogo und dann das Manjaro-Startlogo mit Verzögerung und einer kurzen Phase mit dunklem Bildschirm erscheinen, ehe endlich Manjaro wirklich startet. Das ist schon nervig.

Aber immerhin, das System startet un d die mir wichtigsten Programme laufen auch. Ich hab aber noch nicht alle durchprobieren können. Mulvad-VPN machte Zicken und bekam keine Internetverbindung. Ich hab Mulvad-VPN einfach neu installiert und dann lief es wieder. Ob das mit der Aktion „verwaiste Pakete“ zu tun hat, weiß ich nicht.

Fakt ist, dass in diesem Fall die verwaisten Pakete entfernt wurden und das System danach noch lief. Ich habe mir die Liste der verwaisten Pakete vor deren Entfernung aber als Textdatei gesichert. Auch hier war wieder die Liste nach dem Befehl pamac list -o um über 1/3 kürzer als die Liste, die ich mit pamac remove -o angezeigt bekam. Die in der GUI von Pamac angezeigt Liste habe ich nicht auch noch gesichert.

Resultat: Aus meiner Sicht bleibt die nachträgliche Entfernung von verwaisten Paketen mit einer Rest-Unsicherheit behaftet, zumal der Boot-Vorgang IMHO hoch sensibel ist und Schwierigkeiten in diesem Bereich schon mehrmals bei mir eine Neu-Installation erforderlich gemacht haben. Aber ich werde auf jedem ab jetzt installierten Manjaro die Option in Pamac aktivieren. Nachträglich scheint immer ungünstiger zu sein.